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Rezension

„Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele" von Susanne Collins

rezensiert von Victoria Schleis, 10. Klasse Lichtenbergschule, Darmstadt

„Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ ist der interessante Auftakt zu der Science-Fiction Trilogie „Die Tribute von Panem“. Im Roman beschreibt die Autorin eindrucksvoll den düsteren Staat Panem, der auf der Grundlage eines von Naturkatastrophen und Kriegen völlig zerstörten Nordamerika entstanden ist. Das Land ist in eine Hauptstadt, das Kapitol, und zwölf Distrikte untergliedert. Während die Menschen im Kapitol im Luxus schwelgen, müssen die Bewohner der Distrikte tagtäglich um ihr Überleben kämpfen.

Nach einer früheren Revolte gegen das Kapitol wurde der ehemalige dreizehnte Distrikt vollkommen zerstört. Die anderen zwölf Distrikte durften weiterbestehen, jedoch unter noch strengeren Gesetzen als vor der Revolte. So gibt es die alljährlichen Hungerspiele. Zur Erinnerung an die Schuld der Distrikte werden jährlich aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen ausgelost. Diese 24 Tribute müssen in einer riesigen Freiluftarena so lange gegeneinander kämpfen, bis nur noch ein Tribut übrig ist. Diesem letzten Jugendlichen wird das Leben geschenkt.

Als bei der Auslosung dieser Jugendlichen die Wahl auf Prim fällt, meldet sich deren große Schwester Katniss freiwillig an ihrer Stelle. Zusammen mit ihrem Mittribut Peeta reist Katniss in das Kapitol, in dem die Tribute wie Stars behandelt werden und sich auf ihren Überlebenskampf in der Arena vorbereiten. Nach einem spektakulären „Einzug in Flammen“ steht das ganze Kapitol im Bann der beiden Tribute, was sich noch verstärkt, als Peeta in dem abschließenden Interview seine Liebe zu Katniss gesteht.

Doch in der Arena steht sich das „tragische Liebespaar“ als Todfeinde gegenüber. Das Überleben des einen bedeutet den Tod des anderen.

„Die dröhnende Musik, der Jubel, die Bewunderung gehen mir ins Blut, ich kann meine Erregung nicht unterdrücken. Cinna hat mir einen großen Vorteil verschafft. Niemand wird mich vergessen. Weder mein Aussehen, noch meinen Namen. Katniss. Das Mädchen, das in Flammen stand.“

Da der Roman aus Katniss Sicht geschrieben ist, erfährt man sehr viel über ihre Beweggründe, ihre Gedanken und Gefühle. So kann man ihr Verhalten, vor allem ihr Misstrauen gegenüber Peeta nachvollziehen. Die sehr emotionale Sicht von Katniss auf das Kapitol und dessen Bewohner wird dadurch ebenso einleuchtend wie ihr Hass auf die Spiele.

Der Schreibstil der Autorin ist oft schlicht, an manchen Stellen jedoch auch etwas ausführlicher. Die kurzen Sätze helfen bei der Projektion dieser düsteren Welt im Kopf des Lesers. Der oftmals schmucklose Stil steht bei der Beschreibung von Aktivitäten im Vordergrund, dadurch wird Katniss nüchterne Beschreibung der Tatsachen untermalt. Ihre Gedanken und Gespräche sind oftmals ausführlicher, was noch einmal Katniss sehr persönliche Sichtweise auf das Geschehen beleuchtet.

Das Design der Charaktere ist durchwachsen. Katniss, Teile ihrer Familie und Peeta sind sehr detailliert dargestellt und zeigen mehrere Facetten, gute wie böse. Die anderen Figuren werden jedoch nicht differenziert dargestellt. Einige Figuren stellen nur eine oder zwei Charaktereigenschaften dar, darunter die Antagonisten Präsident Snow und Cato. Auch die anderen Figuren, die in der Arena kämpfen, werden – mit Ausnahme von Katniss’ Verbündeter Rue – nicht sonderlich detailreich beschrieben.

Die Gesellschaftskritik, die in dem Buch steckt, ist durchaus heute relevant, da sie den Voyeurismus der Menschen, der sich im Ansehen von Casting-Shows und Reality-Soaps ausdrückt, anprangert. Außerdem simuliert die Autorin durch ihren Roman die Gefahr einer zu großen Schere zwischen Arm und Reich, da dies die Gesellschaft trennt und Bevölkerungsklassen erzeugt, die in einer egalitären Gesellschaft nicht vorhanden sein sollten.

Leider fehlt in der Buchverfilmung die persönliche Sichtweise der Protagonistin, sodass die Verfilmung nur das Geschehen vor und während des Kampfes in der Arena darstellt. Dies nimmt dem Film den Charme, den das Buch hat. Denn so wird nur die „Außenansicht“ gezeigt, wie sie auch den Bewohnern des Kapitols zur Verfügung steht. Jede gesellschaftskritische Intention, die das Buch hat, wird durch die oberflächliche Darstellung des Films im Keim erstickt, da der Zuschauer das Geschehen aus der Sichtweise sieht, die im Buch angeprangert wird. Die einzige Stelle, die aus der persönlichen Sicht von Katniss aufgenommen ist, ist durch die schlechte Kameraführung so dargestellt, dass sie kaum Realität sein könnte.

Alles in allem ist der Roman trotz seiner schlechten Verfilmung ein gutes Buch, das jeder gelesen haben sollte.


Text von Viktoria Schleiß, 10. Klasse Lichtenbergschule Darmstadt

geschrieben am: 24. Juni 2015 unter der Betreuung von Margit Sachse

veröffentlicht auf Lesepunkte.de